Wohn Riester
Zum Eigenheim mit Vater Staat?Über Monate hinweg grassierte in Deutschland die große Unsicherheit darüber, welche Möglichkeiten es nach der Krise eigentlich noch geben kann, um sich fürs Rentenalter abzusichern. Dass die Notwendigkeit der privaten Rentenabsicherung aufgrund aller Wahrscheinlichkeit auch weiterhin sinkender Rentenbezüge (wenn nicht in direkter Form, so doch hinsichtlich der Teuerung und höheren Ausgaben bei vergleichsweise geringem Anstieg der erhaltenen Rentenleistungen) tatsächlich besteht, ist den meisten Verbrauchern durchaus bewusst. Doch zunehmend verloren die Anleger das Vertrauen in die Vorsorgemodelle, die ihnen der Staat mit Zulagen zu versüßen versucht. Die Ängste waren groß, dass durch hochspekulative Ansätze auch in diesem Bereich am Ende alle Einlagen verschwunden sein könnten.
Zum Glück kehrt dieses Bewusstsein für die eigene Absicherung samt Vertrauen in die staatlichen Angebote zurück. Allein bis zum Beginn des Sommers 2009 lag die Gesamtzahl der Verträge im Bereich der Riester Rente bereits bei deutlich mehr als 12,5 Millionen, inzwischen könnte die 13-Millionen-Marke überschritten sein. Relativ jung ist dabei das Modell des Wohn Riester, mit dem die deutschen Verbraucher die Eigenheimfinanzierung in Angriff nehmen können, statt wie bisher die alt bekannte Baufinanzierung bei der Hausbank in bemühen zu müssen, bei der sich staatliche Zuschüsse eher im überschaubaren Umfang finden und nutzen lassen.
Was hinter dem Wohn Riester steckt
Der Definition des staatlichen Förderprogramms entsprechend, halten Experten statt des Titels Wohn Riester den eigentlichen Namen Eigenheimrente für deutlich angemessener. Unter diesem Begriff firmiert das Modell schließlich auch im entsprechenden Gesetz der Bundesregierung. Thematisch findet sich in diesem Gesetz ein zunächst einfacher Ansatz: Wer bis zum Moment des Inkrafttretens des Gesetzes bereits einen Vertrag einer Riester Rente als private Altersvorsorge abgeschlossen und in selbigen eingezahlt hatte, kann heute auch eine Umwandlung bzw. Entnahme der angesparten Einlagen vornehmen, um zum Eigentümer einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheims zu werden. Geschaffen wurde diese Möglichkeit, damit die staatlichen Zulagen für die Tilgung der auflaufenden Forderungen aus den Immobilienkrediten verwendet werden.
Schon frühzeitig wurde das Modell Wohn Riester vor allem mit harscher Kritik versehen. Es sei allzu bürokratisch und für Laien kaum verständlich formuliert, weil die Zahl der Sonderregelungen zu umfangreich sei und vielfach nicht klar werde, welche Möglichkeiten sich für die Sparer eigentlich wirklich bieten, um zum vorsorgewilligen Eigenheimbesitzer werden zu können. Fürsprecher weisen diese Kritik von Anfang an von der Hand. Die üblichen Zulagen, die für die Verbraucher von staatlicher Seite erbracht werden, könnten den Wohn Riester durchaus zu einem dienlichen Vorsorgeprodukt machen. Denn auch heute noch bezeichnet weit mehr als die Hälfte aller Bundesbürger in Umfragen eine Immobilie als die aus ihrer Sicht sinnvollste Maßnahme zur Altersvorsorge. Wohn Riester als Ersatz der einstigen Eigenheimzulage soll positive Ansätze bieten.
Nach all den Querelen der ersten Zeit seit Schaffung des Wohn Riesters hat sich inzwischen einiges auf dem Markt getan. Nicht nur, dass das Ansehen des Modells bei den Verbrauchern deutlich gestiegen ist. Als Konzept zur Eigenheimfinanzierung hat sich das Format mittlerweile durchgesetzt, vielerorts wird in Tests gar vom Idealmodell zur Finanzierung von Wohneigentum gesprochen. Besondere gute Perspektiven bieten das Modell dabei in den Fällen, in denen die Verbraucher Verträge bei den Bausparkassen abschließen. Aus einem einfachen Grund: Bisher haben nur diese die wirklichen Möglichkeiten beim Wohn Riester erkannt, bei den klassischen Banken ist die Zahl der Angebote bis zum heutigen Tage recht überschaubar.
Und das, obwohl die Verbraucher mit den staatlichen Fördergeldern und den niedrigen Finanzierungszinsen im Einzelfall gut, sicher und günstig in den Genuss eines Eigenheims kommen können. Das jedenfalls zeigen die Analysen vieler Verbraucherschützer, die dem Riester-Darlehen ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben.
Zulagen und Steuervorteile vom Staat als Finanzierungshilfe
Wie immer werden die Vor- und Nachteile bei der Betrachtung des Durchschnittshaushaltes deutlich. Die typische Kleinfamilie mit zwei Kindern ist am besten aufgehoben, wenn sie bei einem Kaufpreis für das Eigenheim mit einem angenommenen Wert von 200.000 Euro rund ein Viertel der Summe als Eigenkapital mit in den Wohn Riester Vertrag einbringt. Bei einer Finanzierungs-Laufzeit von 20 Jahren erhält die Familie vom Staat zunächst direkte Zulagen. Diese belaufen sich aktuell auf 154 Euro pro Erwachsenem sowie jeweils 185 Euro pro Kind, wenn die Kinder vor dem Stichtag 01.01.2008 geboren wurden. Hieraus ergibt sich in diesem Fall eine jährliche Zulagenhöhe von 678 Euro für die Familie.
Noch besser steht die Musterfamilie da, wenn der Nachwuchs erst ab 2008 geboren ist. Für diese Kinder steigt der staatliche Zuschuss per anno sogar auf jeweils 300 Euro, wenn ein Anspruch auf Kindergeld vorliegt. Eine weitere Voraussetzung gibt es zudem: Die Sparer müssen für diese Höchstförderung ihrerseits vier Prozent ihres jeweils so genannten beitragspflichtigen Einkommens aus dem Vorjahr in den Wohn Riester als Altersvorsorge anzusparen bereit sein. Werden jene Auflagen vom Gesetzgeber in vollem Umfang erfüllt, locken staatliche Zulagen sogar in deutlich größerem Umfang von maximal 908 Euro pro Jahr unter den genannten Annahmen des Rechenbeispiels.
Neben den Zulagen hat der Staat für die Interessenten für das Modell Wohn Riester aber auch steuerlich spannende Sparmöglichkeiten geschaffen. Bringen es die Verdiener der Familie auf ein jährliches Bruttoeinkommen von rund 60.000 Euro liegt das steuerliche Sparpotenzial bei rund 15.000 Euro. In diese Berechnungen ist ein wesentlicher Aspekt nicht mit eingebunden, der unbedingt zu berücksichtigen ist bei der Planung: Durch die staatliche Subvention dieser besonderen Altersvorsorge können je nach Zinsniveau zusätzlich viele Euro bei den Zinsausgaben gespart werden, da die Riester Sparer die Darlehen durch die Zulagen schneller als andere Nutzer einer Baufinanzierung tilgen und bewältigen können.
Hilfe durch spezielle Riester Rechner
Bewusst wurde an dieser Stelle wie gewohnt von der durchschnittlichen deutschen Musterfamilie gesprochen. Anhand dieses Beispiels werden die Rahmenbedingungen besonders gut deutlich, die den Wohn Riester interessant machen können. Mithilfe eines Riester Rechners – also eines Programms im Web, mit dem die vorsorgewilligen Verbraucher eine erste Kalkulation aufstellen können – wird schnell deutlich, ob, wie und vor allem bei welchem Anbieter sich der Abschluss eines Wohn Riester Vertrages lohnt unter den persönlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten.
Beeindrucken lassen sollten sich die Sparer grundsätzlich nicht von den vermeintlichen Hürden, die wie so oft dank der typisch deutschen Bürokratie zunächst genommen werden wollen, bevor die Verbraucher profitieren können. Für Finanzprofis steht fest: Wohn Riestern bringt die Chance, auf ein fixes Ziel hin mit schöner Regelmäßigkeit ein quasi zinsloses Darlehensmodell nutzen zu können. Denn die Tilgungskosten können je nach Zinssatz im besten aller Fälle in kompletter Höhe über die Zulagen (und gewisser Weise über die Ersparnisse in steuerlicher Hinsicht) getragen werden.
Versteuerung der Einlagen beim Modell Wohn Riester
Natürlich muss auch der Wohn Riester versteuert werden, allerdings erfolgt die Berechnung der Steueraufwendungen für die Fördersummen erst zum Zeitpunkt des Rentenalters. Ideal wirkt sich hier die Möglichkeit aus, als Verbraucher die Variante der so genannten Einmalbesteuerung auszuwählen, alternativ kann auch lebenslang kalkuliert werden. Die einmalige Berechnung bietet sich aber für die meisten Sparer an. Über die gesamte Phase der Auszahlung des entsprechenden Darlehens werden zur Bewältigung der späteren Steuerlast diese Gelder auf einem Wohnförderkonto angesammelt. So erhalten die Sparer für diese Rücklagen sogar zusätzliche Zinserträge.
Die Besteuerung im Rentenalter bringt den Anlegern einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Nach dem aktiven Berufsleben sinken die Steuersätze deutlich, auf diese Weise kann die Besteuerung im Glücksfall sogar gänzlich entfallen.
Von der Steuer absetzen können Riester Sparer bei diesem Modell auf der Einkommenssteuererklärung Einzahlungen mit Förderanspruch mit einer Höchstsumme von 2100 Euro geltend machen, in Form der bekannten Sonderausgaben.
Bedingungen für die Wohn Riester Inanspruchnahme
Nutzbar ist der Wohn Riester als Eigenheimfinanzierung allerdings nicht für alle Bürger. So ist die staatliche Förderung für viele Beschäftige nicht realisierbar. Betroffen von der Ausnahmeregelung sind zunächst all jene, die freiwillig rentenversichert sind. Darüber können auch Berufstätige nicht Wohn Riestern, die als so genannte Pflichtversicherte berufsständischer Versorgungseinrichtungen bezeichnet werden. In diese Gruppe gehören etwa Anwälte, Ärzte, Architekten und alle anderen Selbständigen und Freiberufler, für die keine Vorgabe zur gesetzlichen Sozialversicherungspflicht besteht. Nicht möglich ist eine Einbindung so genannter Vermögenswirksamer Leistungen als Einzahlungen mit Förderungsanspruch. Der wohl wichtigste Aspekt ist das geplante Ende der Fördermaßnahme: Spätestens im Alter von 68 Jahren muss das Darlehen zum Wohn Riester getilgt sein, nur dann wird der Wunsch der staatlichen Förderung bewilligt. Für Ehepartner gilt zudem: Für beide muss ein eigener Darlehensvertrag abgeschlossen werden, die selbige muss eine Zertifizierung durch die Finanzdienstleistungsaufsicht vorliegen. Wie lang die Finanzierungsdauer genau festgelegt wird, können die Sparer auf Basis ihrer jeweiligen Möglichkeiten entscheiden. Im Falle der direkten Tilgungsabwicklung sind meist Laufzeiten von fünf bis 20 Jahren die Regel.
Fazit zum Wohn Riester
Obwohl sich der Wohn Riester bzw. die Eigenheimrente für die Sparer durchaus lohnen kann, zeigen aktuelle Erhebungen und Statistiken der Anbieter, dass viele Sparer wichtige Punkte nach wie vor außer Acht lassen. So vergessen viele Anleger noch immer, rechtzeitig das entsprechende Zulagenformular auszufüllen. Auf diese Weise verliert der Ansatz Riester nach Expertenmeinung fast seine gesamte Wirksamkeit. Daher sollten Anleger daran denken, die Zuschüsse für 2007 bis zum Ende 2009 rückwirkend geltend zu machen, denn noch ist der Erhalt möglich.
Grundsätzlich sollten sich potentielle Wohn Riester Nutzer (und die Interessenten für das normale Modell der Riester Rente ebenso) nicht vom Umfang der Richtlinien und der Komplexität der rechtlichen Vorgaben entmutigen lassen. Steuerberater, Verbraucherschützer und nicht zuletzt auch die themenbezogenen Portale im Web verschaffen Klarheit, wenn sich Familien über diesen Ansatz zur Immobilienfinanzierung informieren möchten.
Bauherren mit jeder Geldbeutel-Größe können von diesem Modell profitieren. Während für Besserverdiener möglicherweise in erster Linie der steuerliche Aspekte wie die Regelung zu den Sonderausgaben den Ausschlag für die Entscheidung geben, sind es für Familien mit mehreren Kindern vielleicht vor allem die Zulagen in Höhe von - je nach Geburtsjahr – 185 bzw. 300 Euro jährlich pro Kind, die beim Wohn Riester locken. Wer ohnehin den Kauf eines Hauses beschlossen hat, sollte sich mit dem staatlichen Förderangebot befassen.
Gerade durch die problematischen Entwicklungen seit Ausbruch der Finanzkrise ist diese Form des Eigenheimerwerbs deutlich attraktiver geworden aus Sicht von Finanzierungsspezialisten. Wissen sollte man allerdings, dass im Falle eines frühzeitigen Kaufs spätestens nach Jahresfrist entweder in eine anderer Immobile oder einen anders gearteten Riester Vertrag reininvestiert werden muss. Andernfalls fordert Vater Staat seine Zuschüsse zum Wohn Riester zurück.
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