Wie entwickeln sich die Kreditzinsen?
19.03.2010 - Wie entwickeln sich die Kreditzinsen?Steigen sie? Bleiben sie auf dem aktuellen Niveau? Oder wird es sogar günstiger, Geld zu leihen? Eine Vorhersage zu treffen, wie sich die Kreditzinsen in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln, gleicht einem Blick in die Glaskugel. Selbst Experten halten sich mit konkreten Aussagen zurück. Auch sie können nur auf Tendenzen hinweisen und anhand mehrerer Faktoren Vermutungen anstellen. Derzeit lautet der allgemeine Tenor: Noch dürfen sich Verbraucher über niedrige Kreditzinsen freuen, insbesondere bei der Baufinanzierung. Im Laufe des Jahres wird das Niveau aller Voraussicht nach allerdings anziehen.
Von Januar zu Februar nur wenig Bewegung beim Zinsniveau
Dass sich die Zinsen momentan recht stabil eingependelt haben, belegt ein Blick auf die Durchschnittswerte für die Monate Januar und Februar. Während ein Ratenkredit mit einer Laufzeit von 36 Monaten im Januar im Schnitt zu 7,63 Prozent und bei 72 Monaten zu 8,25 Prozent vergeben wurde, lagen diese Werte im Februar mit 7,58 und 8,25 Prozent knapp darunter bzw. sind gleich geblieben. Ähnlich verhielt es sich beim Baugeld. Darlehen über fünf Jahre lagen im Februar unter 3,00 Prozent effektiven Jahreszins. Bei zehn bis 15 Jahre Laufzeit wurden 4,02 und bei Immobilienkrediten ab 15 Jahren 4,46 Prozent in Rechnung gestellt. Dabei haben sich in allen Bereichen, ob Ratenkredit oder Baufinanzierung, deutliche Spannen gezeigt. Beim normalen Kredit bewegten sie sich von 4,00 bis 14,00 Prozent.
Hypothekenzinsen bleiben vorerst niedrig
Doch wie geht es weiter? Der Leitzins als einer der Faktoren, die sich auf die Kreditzinsen auswirken, wird zwar noch ein paar Monate auf dem historischen Tief von 1,00 Prozent verharren. Es mehren sich aber die Anzeichen, dass Kredite teurer werden – nicht sofort, aber Schritt für Schritt. Max Herbst von der Finanzberatung FMH beruhigt ein wenig, zumindest in punkto Hypothekenzinsen. Da die Banken am 1. Juli 442 Milliarden an die Europäische Zentralbank zurückzahlen müssen, rechnet er nicht mit steigenden Zinsen. Noch könnten sich Verbraucher in aller Ruhe umschauen und über die Konditionen informieren.
„Basel 3“ als Kostentreiber
Der Leitzins ist jedoch nur einer von mehreren Marksteinen, an denen sich die Banken orientieren. Österreichische Kreditinstitute warnen davor, dass mit dem „Basel 3“-Modell, das noch in diesem Jahr von der EU beschlossen werden könnte, die Kreditzinsen für Unternehmen deutlich ansteigen. Mehr Kontrolle durch die Europäische Union und zugleich noch strengere Eigenkapitalvorschriften würden automatisch mit höheren Zinsen einhergehen. Die Kärntner Sparkasse rechnet mit einem Plus von 40 Prozent. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Denn in Kraft tritt Basel 3 frühestens 2012.
Höhere Kreditzinsen vermeiden eine Kreditklemme
Dass eine Zinsanpassung nach oben schon jetzt nötig wäre, um eine Kreditklemme zu verhindern, erklärte Ende Februar die „Welt“. Und auch im „Handelsblatt“ äußerte sich Experte Douglas Casey ähnlich. Die Zinsen müssten zumindest das Ausfallrisiko widerspiegeln. Dank künstlich niedriger Zinsen habe „die ganze Welt über ihre Verhältnisse gelebt“. Würden die Banken zu günstigen Konditionen gezwungen, würden sie geschwächt. Nur bei höheren Kreditzinsen könnten die Kreditinstitute mehr Geld zur Verfügung stellen. Aus Sicht der Verbraucher schwer zu verstehen, schließlich möchte man sparen. Noch besteht dazu die Möglichkeit. Wie lange noch, steht in den Sternen.
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