Wachsender Markt: Baufinanzierung über Versicherungsunternehmen
22.04.2010 - Wachsender Markt: Baufinanzierung über VersicherungsunternehmenWenn Banken „nein“ zum Kauf oder Bau einer Immobilie sagen und die Finanzierung verweigern, muss das noch lange nicht das Aus für ein Projekt bedeuten. Denn neben Haus- und Direktbanken sowie den klassischen Baufinanzierern gibt es auch andere Geldgeber: Versicherungsunternehmen.
Sie verstehen sich weniger als Ansprechpartner für private Bauherren, die sich ein Eigenheim schaffen möchten, sondern vielmehr als Partner des Mittelstands. Weil gerade kleine und mittelständische Betriebe, aber auch Investoren, die wohnwirtschaftlich genutzte Immobilien planen, die Kreditklemme und restriktiven Vergabekriterien immer stärker zu spüren bekommen, stellt die Baufinanzierung über Assekuranzen eine echte Alternative dar.
Auf Wert und Lage des Objekts kommt es an
Selbstverständlich prüfen auch die Versicherungen sehr genau, wie es um die Bonität des Kunden bestellt ist. Für sie gibt es allerdings einen weiteren Faktor, der mindestens ebenso schwer wiegt: der Wert der Immobilie. Die Unternehmen lassen sich wie Banken zur Absicherung im Grundbuch eintragen. Damit stehen ihnen der Weg offen, das Gebäude selbst zu nutzen, sollte der Kunde seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Das macht für die Versicherungen jedoch nur Sinn, wenn das Objekt rentabel genug und nicht zu speziell ist. Handelt es sich zum Beispiel um eine Fabrik, wäre eine spätere Verwertung relativ schwer. Anders sieht das bei Bürogebäuden oder teilgewerblich genutzten Immobilien aus. Hier gestaltet sich eine mögliche Nachfolgenutzung wesentlich einfacher.
Immobilien müssen sich gut verwerten lassen
Bevor Versicherungen einer Baufinanzierung zustimmen, deren Konditionen in der Regel etwas, aber nicht viel günstiger sind als der klassische Immobilienkredit von der Bank, werden die Objekte daher sehr genau unter die Lupe genommen. Schon 1B-Lagen könnten dabei durchs Raster fallen. Innenstadt, Gewerbegebiete mit Potenzial oder bereits langfristig vermietete Immobilien haben hingegen gute Chance. Manfred Hölscher von der Enderlein Baufinanzierung erklärt dieses Vorgehen: „Versicherern haftet nun mal Sicherheitsdenken an.“ Aktiv sind in diesem Bereich vor allem die Allianz, aber auch Ergo, Swiss Life, Zurich sowie Universal und Hannoversche Leben, wobei die Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte setzen – die Allianz zum Beispiel bei teilgewerblich und die Ergo bei wohnwirtschaftlich genutzten Immobilien.
Der Leiter des Immobilienfinanzierungs-Neugeschäfts der Ergo, Helmut Keisers, nennt einen entscheidenden Vorteil der Baufinanzierung über eine Assekuranz: „Versicherungsunternehmen bieten stärker als Banken auch lange Laufzeiten an. Wir setzen auf Forward Finanzierung, welche dem Kunden das aktuell günstige Zinsniveau im Voraus sichert“. Langfristig heißt in dem Fall: 20 bis 25 Jahre. Hinzu kommen günstigere Kostenstrukturen und weniger Abhängigkeiten bei der Refinanzierung über den Kapitalmarkt.
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