Stiftung Warentest bestätigt – Dispo-Zinsen liegen sehr hoch
14.09.2010 - Stiftung Warentest bestätigt – Dispo-Zinsen liegen sehr hoch
Dass die Zinsen für einen Dispositionskredit im Regelfall höher liegen als die Kosten für normale Konsumentenkredite, ist mittlerweile absolut kein Geheimnis mehr. Trotzdem scheinen die Dispo-Zinsen momentan auf einem Niveau zu verharren, welches im Licht der niedrigen Leitzinsen zumindest fragwürdig erscheint. Finanztest hat nun eine große Umfrage unter 992 Banken durchgeführt und dabei ist herausgekommen, dass die Zinsen für Dispo-Kredite nach wie vor durchschnittlich bei ca. 11% pro Jahr liegen. Unter den befragten Banken waren sowohl Direktbanken als auch große Filialbanken sowie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und regionale Finanzinstitute, so dass dieses Bild offenbar durchaus als repräsentativ zu bezeichnen ist.
Besonders ländliche Institute verlangen hohe Dispo-Zinsen
Die Umfrage ergab zudem, dass vor allem Sparkassen und Volksbanken in ländlichen Bereichen recht hohe Dispo-Zinsen berechnen, wobei 21 Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Zinsen von über 14% verlangen. Bei der TARGOBANK liegt der Zinssatz für einen Dispositionskredit in einem Fall sogar bei stolzen 16,99% pro Jahr. Da ca. jeder sechste Bankkunde mit seinem Kontostand im negativen Bereich liegt, ergibt sich aus den Dispo-Zinsen und Überziehungen nach Berechnungen der Bundesbank ein Gesamtverlust von ca. 41,6 Milliarden Euro für die Kunden der Finanzinstitute, was für die Banken wiederum ein sehr lukratives Geschäft mit sich bringt.
Leitzinssenkung wird nur sehr begrenzt an die Kunden weitergegeben
Mit den Ergebnissen über die Dispo-Zinsen dürfte klar sein, dass sehr viele Banken die Leitzinssenkungen aus dem Jahr 2009 nicht oder nur sehr eingeschränkt an ihre Kunden weitergeben. Die Leitzinsen liegen nämlich seit Mai 2009 auf dem historischen Tiefststand von 1,00% und bieten demnach den Banken optimale Bedingungen bei der Beschaffung von Kapital, so dass eigentlich ein großer Spielraum für eine Senkung der Dispo-Zinsen gegeben wäre, den die Banken aber nicht nutzen. Für weitere Probleme könnte die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie sorgen, nach der die Banken ihren Dispo-Zins künftig an einen Referenzzins wie den Leitzins der EZB koppeln müssen. Da dieser aktuell sehr niedrig liegt und die Banken die Kopplung nun vornehmen müssen, könnten die Dispo-Zinsen bei einer Steigerung der Leitzinsen letztlich also noch teurer werden.
Es gibt auch positive Beispiele auf dem Girokonto Markt
Auch wenn die Dispo-Zinsen im Durchschnitt sehr hoch liegen und es sehr viele Banken gibt, die Zinssätze im zweistelligen Bereich berechnen, zeigen einige Finanzinstitute, dass es durchaus auch anders geht. So verlangt die DAB Bank für einen Dispositionskredit gerade einmal 6,95% Zinsen pro Jahr und auch die DKB Bank liegt mit 7,9% in einem recht attraktiven Bereich. Wer also sicher ist, dass er den Dispositionskredit seiner Bank auch benötigt, hat durchaus Möglichkeiten, günstige Angebote zu finden. Gegen die besonders teuren Banken hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aktuell sogar Abmahnungen ausgesprochen und in zwei Fällen sogar eine Unterlassungsklage angepeilt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dispo-Zinsen unter dem Druck der Verbraucherschützer entwickeln werden und ob der Gesetzgeber am Ende eventuell sogar noch einmal tätig wird, um zu hohe Zinsen zu unterbinden.
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