KfW befürchtet stärkere Versorgungsprobleme auf dem Kreditmarkt
12.04.2010 - KfW befürchtet stärkere Versorgungsprobleme auf dem KreditmarktDie Meinungen zu den mutmaßlichen Entwicklungen auf dem deutschen Kreditmarkt könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. Während viele Unternehmen und Politiker nahezu gebetsmühlenartig kritisieren, dass die Bankenbranche insgesamt zu verhalten Darlehen verbirgt und auf diese Weise dem erhofften konjunkturellen Aufschwung im Wege steht, betonen die Banken immer wieder seelenruhig, dass die Kreditvergabe in Deutschland in der jetzigen Phase nicht als kritisch bezeichnet werden könne. Belegen können die Verbände dies in der Regel mit selbst aufgestellten Statistiken.
Etwas anders stuft man die aktuellen Entwicklungen allerdings bei der staatlichen KfW-Bankengruppe ein. So rechnet man für die kommenden Monate des Jahres 2010 mit einer Verschärfung der ohnehin bestehenden Vergabeproblematik. Die Veränderungen seit Ende des vergangenen Jahres lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Kreditsituation in Deutschland noch weiter verschlechtern könnte, so Norbert Irsch, der Chefvolkswirt der KfW am heutigen Morgen.
Mit seiner Argumentation zu vermeintlichen Kreditengpässen redet der KfW-Experte im Grunde in erster Linie den Bankenverbänden im Lande das Wort. Denn auch dort hatte man zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass die steigenden Anforderungen in punkto Eigenkapitalversorgung letztlich vor allem auch die Kredithürden steigen lassen könnten, unter denen die Kreditnehmer zu leiden haben werden. Darüber sieht Irsch weiterhin im hohen Abschreibungsbedarf und den engen staatlichen Regulierungsvorschriften Gründe für die Annahme, dass die Kreditvergabe in Deutschland zukünftig nicht gerade unter einem guten Stern stehen könnte.
Schon 2009 erhebliche Rückgänge im Neukreditgeschäft
Erste Anzeichen für die Richtigkeit dieser Vorhersagen habe es bereits im letzten Quartal des Jahres 2009 gegeben. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres hätten sich die Kreditinstitute insbesondere bei den Darlehen mit kurzen Laufzeiten (bis maximal 12 Monate) mit den Zusagen deutlich verhaltener gezeigt als in den Jahren zuvor. Welche Folgen die Vergabepolitik der Banken haben könnte, ist offensichtlich. Sollte das so genannte Kreditneugeschäft weiterhin schwächeln, wirkt sich dies zwangsläufig negativ auf die Investitionsbereitschaft und – Möglichkeiten auf Unternehmensseite aus, woraus wiederum eine Schwächung der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklungen resultieren würde.
Dass die KfW-Ergebnisse Besorgnis erregend sind, hat vor allem einen Grund. Bis dato wurde bei der Europäischen Zentralbank die andauernde Wirtschaftsflaute als Begründung für die Kapital-Engpässe bei deutschen und europäischen Unternehmen genannt. Die staatliche Bankengruppe kommt nun aber zu dem Schluss, dass faktisch von einem schwachen Kreditmarkt gesprochen werden muss, der in zunehmendem Maße für finanzielle Versorgungsprobleme bei den Unternehmen sorgt. Dabei steigen gerade der Finanzierungsbedarf und die Investitionsbereitschaft stetig an. Nur fehlt den Firmen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen zunehmend das nötige Kapital.
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