Irland steht vor dramatischer Bankenrettungsaktion
05.04.2010 - Irland steht vor dramatischer BankenrettungsaktionDie ganze Welt hat in den letzten Wochen hauptsächlich auf Griechenland geschaut, weil dort der Staat kurz vor dem Bankrott steht und sich nur mit großer Mühe aus dieser Zwangslage befreien kann. Dass es jedoch auch in anderen Staaten der EU massive Probleme gibt, ist dabei fast schon in Vergessenheit geraten. Jetzt lässt eine Meldung aus Irland aufhorchen, denn dort ist der Staat gezwungen, ein weiteres großes Bankenrettungsprogramm aufzulegen, damit es nicht zum großen Kollaps kommt. Die Gesamtsumme beläuft sich dabei auf ca. 32. Milliarden Euro, was 20% des Bruttoinlandsprodukts von Irland ausmacht und die Dramatik der Lage sehr eindrucksvoll aufzeigt.
Der größte Anteil der Hilfen entfällt auf die Anlgo Irish Bank
Offenbar benötigt von den 32 Milliarden Euro die bereits in Staatsbesitz befindliche Anglo Irish Bank allein 22,3 Milliarden Euro, um nicht zusammen zu brechen und damit dem irischen Finanzsystem irreparablen Schaden zuzufügen. Der Staat muss nach Angaben der „Financial Times“ einen Löwenanteil von mindestens drei Vierteln der Gesamtlast für die Bankenrettung übernehmen, was allein schon die komplette geplante Neuverschuldung für das Jahr 2010 überschreitet und damit als Staatshilfe gewertet wird. Die EU-Kommission hat dem Schritt allerdings bereits zugestimmt, da dieser als nötig empfunden wird, die Stabilität im Land aufrecht zu erhalten.
Ursache für Bankenkrise liegt wohl ebenfalls auf dem Immobilienmarkt
Wie schon in den USA scheint der Grund für die Bankenkrise auch in Irland ihre Ursache auf dem Immobilienmarkt zu haben, denn das Problem wurde erst offensichtlich, als die von der irischen Regierung gegründete „Bad Bank“ National Asset Management Agency (NAMA) den Banken massenhaft faule Baukredite abgekauft hatte. Da viele der Immobilienkredite wohl kaum noch verwertbar waren, mussten die Banken hohe Preisabschläge in Kauf nehmen, was die Bilanzen weiter verschlechterte. Derweil haben Banken und Staat sehr unterschiedliche Auffassungen davon, wer für die Immobilienkrise verantwortlich ist, denn während das Finanzministerium den Banken massive Fehlentscheidungen vorwirft, scheint der Staat durch niedrige Immobiliensteuern zusätzlich zur Überhitzung beigetragen zu haben.
Griechenland und Irland – liegen die Fälle ähnlich?
Da die EU Griechenland umfassende Hilfen für die Bewältigung der Finanzkrise bereitgestellt hat, stellt sich nun natürlich ganz automatisch die Frage, ob das Problem in Irland ähnlich gelagert ist und deshalb auch genauso gehandelt werden muss. Ein großer Unterschied scheint jedoch schon allein im Ausmaß des Problems zu stecken, denn während Griechenland um das nackte finanzielle Überleben kämpft, scheint der Staat in Irland die Krise zumindest dieses Mal noch selbst lösen zu können. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze entwickeln wird.
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