Ifo-Präsident unzufrieden mit Griechenland-Rettung der EU
13.04.2010 - Ifo-Präsident unzufrieden mit Griechenland-Rettung der EUAufmerksame Leser hatten in den vergangenen Wochen an dieser Stelle immer wieder die Gelegenheit, die Debatten um mögliche Hilfsleistungen für das wirtschaftlich schwer belastete Griechenland zu verfolgen. Auf politischer Ebene innerhalb der Europäischen Union war man sich bereits seit einiger Zeit weitgehend einig, dass man Wege finden musste, um Griechenland finanziell zu entlasten. Zuletzt hatten schrittweise Verschlechterungen beim Bonitäts-Rating dazu geführt, dass Griechenland bei Krediten extrem hohe Risikoaufschläge gewähren musste, um überhaupt an frisches Geld zu kommen.
Seit dem Wochenende steht nun fest, zu welchen Konditionen das Mitgliedsland der Euro-Zone im Ernstfall Kredite in Anspruch nehmen könnte. Die erhofften Effekte blieben nicht aus. Schon zum Beginn der Woche sanken die Aufschläge spürbar. Genau im passenden Augenblick, denn Griechenland wird in dieser Woche erneut Anleihen auf den Markt bringen. Doch trotz aller positiven Signale sind viele Wirtschaftsexperten keineswegs zufrieden mit den Rettungsplänen. Einer der Kritiker der Hilfsprogramme der EU und des Internationalen Währungsfonds ist Hans-Werner Sinn, seines Zeichen Chef des renommierten Münchener Ifo-Institutes. Der Ifo-Präsident bezieht sich mit seiner Kritik ebenfalls auf den Punkt der Signalwirkung. Jedoch hält er die Rettungspakete eher für die falsche Richtung.
Auch andere EU-Länder könnten Anspruch erhalten
Aus zweierlei Gründen. So fürchtet Sinn, dass Deutschland möglicherweise Darlehen über die EU bereitstellt, ohne sicher sein zu können, ob diese Kreditsummen später überhaupt zurück in die eigenen Kassen kommen werden. Denn ob und wann Griechenland aus der Krise kommen wird, kann aktuell niemand mit Gewissheit sagen. Sollten die Rückzahlungen ausbleiben, bliebe Deutschland auf einer Kreditforderung in Höhe von 8,4 Milliarden Euro sitzen. Eben diesen Anteil muss Deutschland den Plänen der EU zufolge bereits im ersten Jahr der Rettungsmaßnahmen nach Athen transferieren, sollte das Rettungspaket genutzt werden. Ob die ausgearbeiteten Rettungspläne am Ende wirklich abgerufen werden, spielt für den Wirtschaftsexperten Hans-Werner Sinn eher eine untergeordnete Rolle in der Diskussion.
Denn auch der zweite Grund, der gegen derartige Konzepte spricht, hat mit der besagten Signalwirkung zu tun. Die Argumentation ist logisch: Was die EU ihrem Mitgliedsland Griechenland anbietet, muss auch für andere „Problemkinder“ in Frage kommen. Und derartige Sorgenkinder hat die EU derzeit in ausreichender Zahl zu bieten. So könnten schon bald auch die wirtschaftlich leidenden EU-Nationen Spanien und Portugal Ansprüche in vergleichbarer Form geltend machen. Verweigern, so der Ifo-Präsident, könnte man anderen Not leidenden Ländern im Bedarfsfall die Hilfsleistungen nicht, wenn man zuvor im Falle Griechenlands bereits grünes Licht gegeben hat.
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