Großer Ansturm auf staatlich geförderte Mikrokredite
27.04.2010 - Großer Ansturm auf staatlich geförderte MikrokrediteVor allem aus Entwicklungsländern kennt man das Format der so genannten Mikrokredite. In den Regionen werden für Kleinunternehmer über die Vergabe von Darlehen mit geringen Finanzierungssummen Existenzgrundlagen und die Möglichkeiten zur Unternehmensgründung geschaffen. Seit einiger Zeit etabliert sich das Modell auch in Europa. So startet die EU etwa im kommenden Sommer ein eigenes Angebot, dass Verbraucher für sich nutzen können.
Und auch das Bundesarbeitsministerium fördert schon seit Beginn des Jahres 2010 die Vergabe solcher Mikrokredite. Diese werden ebenfalls in Form von gewerblichen Kleinstdarlehen bereitgestellt und stoßen seit Beginn des Angebotes auf einen so großen Zuspruch bei den potentiellen Kreditnehmern, dass sich das Ministerium bereits Gedanken über die bestehenden Vermittlungswege machen musste. Die Vermittler sind vielerorts den Ansturm der Antragsteller kaum gewachsen. Dies führte nun dazu, dass mit großem Aufwand daran gearbeitet wird, weitere so genannte Mikrofinanzierer zu schulen, um der Nachfrage so schnell wie möglich wieder gerecht werden zu können.
Nachfrage deutlich größer als zunächst erwartet
Viele der akkreditierten Vermittler der gewerblichen Kleinstkredite entstammen Bereichen wie der Unternehmensberatung oder Wirtschaftsförderung. Und auch lokale Netzwerke für Existenzgründer können nach entsprechender Schulung als Vermittler aktiv werden. Insgesamt hatte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Fonds mit einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro aufgelegt, um kleineren Unternehmen finanziell mit Summen von maximal 20.000 Euro unter die Arme zu greifen. Die letztendliche Darlehensvergabe wird durch die renommierte GLS-Bank mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bochum abgewickelt. Obwohl man davon ausgegangen war, dass der Bedarf an Darlehen groß sein würde, zeigten sich Ministerium und die Anlaufstellen zur Vermittlung gleichermaßen überrascht.
Der eigentliche Plan des Ministeriums sei eine Menge von 900 Mikrokrediten mit einem Gesamtvolumen von maximal 18 Millionen Euro, die bis Ende dieses Jahres vergeben werden sollen. Damit dies aber möglich ist, müssen nun zügig neue Anlaufstellen geschaffen werden. Die obligatorische Zertifizierung der Mikrofinanzierer erfolgt in enger Kooperation mit dem DMI, dem Deutschen Mikrofinanz-Institut. Bisher sind bundesweit nur 17 solcher Anlaufstellen zertifiziert, Ende des Jahres soll es etwa 50 solcher Adressen für Kredit-Interessierte geben. Die genaue Zahl wird auch von der Nachfrage nach Mikrokrediten abhängen.
Interessant an der Situation ist vor allem eines: Nach Aussagen des DMI stieg seit Jahresbeginn die Zahl der Anfragen derer, die eine Akkreditierung als Vermittler der Mikrokredite anstreben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Mikrofinanzierer neuerdings auf Provisionsbasis selbst an der Vergabe der Kleinstkredite verdienen können.
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