Griechenland will zunächst keine Kredite von EU und IWF
09.04.2010 - Griechenland will zunächst keine Kredite von EU und IWFAls bekannt wurde, dass die griechische Regierung bei der Europäischen Union falsche Zahlen zum eigenen Haushalt vorgelegt hatte, um die Ergebnisse der damals bevorstehenden Wahlen nicht negativ zu beeinflussen, überschlugen sich die Ereignisse regelrecht in den Medien. Inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass es nicht nur um die finanzielle Lage Griechenlands schlecht bestellt ist, auch anderer Mitgliedsstaaten der EU wie etwa Portugal haben schwer zu kämpfen, wenngleich es nur im griechischen Fall um die akute Gefahr eines Staatsbankrotts zu gehen scheint.
Dementsprechend intensiv und zahlreich waren die Debatten, die das Thema möglicher finanzieller Unterstützung anderer europäischer Nationen zum Inhalt hatten. Zwischenzeitlich waren angeblich sogar Kredite aus Deutschland denkbar, wenn man den Berichten glauben wollte. Zur Ruhe auf den internationalen Finanzmärkten konnten die in Aussichten gestellten Hilfsprogramme des Internationalen Währungsfonds IWF und der Europäischen Union aber nicht sorgen. Ganz im Gegenteil spitzt sich die Lage sogar weiterhin zu, Anleger flüchten sich zunehmend in Rohstoffe, weil die vormals als extrem sicher geltenden Staatsanleihen an Reiz verlieren. Was wiederum zur Folge hatte, dass Griechenland bei der Ausgabe von Anleihen deutlich höhere Renditen bieten und letztlich auch höhere Kosten für den Erhalt frischen Kapitals über neue Darlehen in Kauf nehmen muss.
Hilfen zu teuer für Griechenland?
Doch die Regierung in Athen lässt sich aktuell wenig von der kritischen Situation beeindrucken. Obwohl die Mitglieder der Eurozone schon Ende März bilaterale Darlehen sowie Unterstützung de IWF vereinbart hatten, will Griechenland weiterhin aus eigener Kraft den Weg aus der Finanz- und Wirtschaftskrise finden. Daran lassen die neuen Stellungnahmen des griechischen Finanzministers Giorgos Papakonstantinou keinen Zweifel. Zwar bestätigt der Politiker, dass es tatsächlich erst in dieser Woche zu einer eingehenden Definition des Notfallplans von Seiten der Eurogruppe gekommen sei. Papakonstantinou äußerte am heutigen Tage aber ebenso, dass man die Schuldenkrise zunächst allein angehen wolle.
Über Gründe für den griechischen Alleingang darf derzeit spekuliert werden. Einerseits will man vermutlich unter Beweis stellen, dass man allein imstande ist, eine solche massive Bedrohung durchzusetzen, ohne sich gleich in den schützenden Schoß der EU zu stürzen. Denn noch immer fordern etliche Experten einen Ausschuss Griechenlands aus der Eurozone aufgrund mangelnder Tragbarkeit. Ein anderes Argument für die einstweilige Ablehnung der Hilfsofferten der EU-Staaten und des IWF könnte aber auch sein, dass die besagten bilateralen Darlehen keineswegs kostenlos wären. Denn im Beschluss beim Gipfeltreffen der Länder war man sich einig, die Hilfen dürften grundsätzlich nicht als Subventionsleistungen erbracht werden. Dies heißt im Grunde, auch die Kredite anderer Staaten zu marktüblichen Konditionen wären kaum bezahlbar.
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