Griechenland gibt auf und beantragt Hilfen der EU und des IWF
23.04.2010 - Griechenland gibt auf und beantragt Hilfen der EU und des IWFDen Menschen im Süden Europas sagt man seit jeher nach, der Liebe Gotte hätte ihnen eine Extraportion Stolz mit auf den Lebensweg gegeben. Die Finanz-Misere um das hoch verschuldete Griechenland hat die Berechtigung dieser Vermutung einmal mehr untermauert. Über Wochen zog sich das Tauziehen um das Ja oder Nein zu möglichen finanziellen Hilfsleistungen für das marode Mitgliedsland der Euro-Zone hin. Erst wollten die anderen europäischen Länder nichts von derartigen Sonderbehandlungen wissen. Später lenkten EU und sogar der Internationale Währungsfonds in ihrer Position deutlich ein und erklärten sich zur Ausarbeitung von Konzepten zur Rettung des griechischen Haushaltes bereit. Seit dem vergangenen Wochenende steht nun wenigstens größtenteils fest, wie die Finanzhilfen aussehen könnten.
Dafür äußerte sich die Regierung in Athen eher undurchsichtig zum Hilfsprogramm der EU und IWF: Man wolle zunächst weiterhin versuchen, die Probleme selbst in den Griff zu bekommen und einstweilen auf die beruhigende Wirkung der potentiell nutzbaren Hilfspakete hoffen. Doch genau diese Wirkung ist nicht eingetreten, zuletzt stiegen die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen aus Griechenland erneut massiv an. Hinzukam nun am gestrigen Tage, dass die Krise im griechischen Haushalt noch weitaus schlimmer ist, als man bisher vermutet hatte. Seit den ersten Meldungen in dieser Sache überstürzten sich die Ereignisse regelrecht.
Verschuldung deutlich höher als zunächst bekannt
Mit dem Ergebnis, dass Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou im Namen der Regierung klein beigab und nun doch früher als gedacht darum bittet, dass IWF und Europäische Union ihre angebotene Unterstützung aktivieren. Ein entsprechender offizieller Antrag sei, so Papandreou bereits im Finanzministerium in Arbeit. Eine Alternative zu dieser Vorgehensweise gebe es inzwischen nach den Korrekturen der Wirtschaftzahlen des Landes nicht mehr. Mittlerweile war von der Statistikbehörde Eurostaat bekannt gegeben worden, dass sich der Schuldenberg Griechenlands auf rund 273 Milliarden Euro beläuft. Die Schulden entsprechen somit insgesamt einem Anteil von 13,6 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des angeschlagenen Landes.
Derweil bestätigte die EU den Eingang des Antrags, so dass nun der bürokratische Automatismus in Gang gesetzt werden konnte, damit Griechenland zügig die ersehnte finanzielle Hilfe im Umfang von planmäßig rund 45 Milliarden Euro erhalten kann. Maximal 30 Milliarden sollen die Euro-Länder beisteuern, die restlichen Summen soll vom Internationalen Währungsfonds bereitgestellt werden. Dass die Regierung Griechenlands endlich die Reißleine gezogen hat, wirkte sich auch direkt auf den Euro aus. War er zuletzt noch auf einen Jahres-Tiefstand gefallen, konnte die Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich wieder über die Marke von 1,33 US-Dollar klettern.
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