Die Schufa will ihr Geschäftsfeld ausweiten
30.06.2010 - Die Schufa will ihr Geschäftsfeld ausweiten
Deutschlands bekannteste Auskunftei Schufa plant eine Erweiterung ihres bisherigen Tätigkeitsfeldes. Dazu soll das bestehende Leistungsspektrum des Unternehmens um die Analyse von Verbriefungen ergänzt werden. Bei Verbriefungen bündeln Banken Kredite mit dem Ziel, diese an Investoren weiterzuverkaufen. Die aus einer Verbriefung resultierenden Kreditportfolios sollen dann von der Schufa bewertet werden. Eine derartige Analyse sei nach Angaben der Schufa z.B. für Verbriefungen von Wohnimmobilien-Krediten, Autokrediten oder Forderungen gegen Kleingewerbetreibende geeignet.
Keine direkte Konkurrenz zu den Rating Agenturen
Die Schufa beabsichtigt jedoch nicht, mit ihrem neuen Service in direkte Konkurrenz zu den drei etablierten Rating Agenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's zu treten. Nach eigener Einschätzung will die Schufa vielmehr eine Zweitmeinung zur Verfügung stellen. Mit dem zur Verfügung stehenden Datenbestand sollen die Rating Agenturen dabei unterstützt werden, die Qualität der Ratings in diesem Bereich zu verbessern. Nach Meinung von Schufa-Chef Rainer Neumann können die Daten der Schufa dabei helfen, die Transparenz von Verbriefungen zu erhöhen und den zuletzt etwas in Verruf geratenen Markt wieder neu zu beleben. Den Rating Agenturen wird nämlich vorgeworfen, die Probleme bei Verbriefungen zu spät erkannt zu haben und diese daher lange Zeit zu gut bewertet zu haben.
Bereits erste Erfahrungen gesammelt
In der Vergangenheit konnte die Schufa ihr Analyseverfahren bereits in der Praxis austesten. In den letzten drei Jahren hat die Schufa bereits mehrfach größere Kreditportfolios, die von Kreditinstituten veräußert wurden, bewertet. In der Regel hatten dabei die Käufer die verkaufenden Banken gebeten, von der Schufa eine zweite Beurteilung über das Kreditportfolio anfertigen zu lassen. Allerdings wurde die Analyse der Schufa bislang vor allem bei Verkäufen von kompletten Kreditportfolios oder bei Bankübernahmen und nicht bei Verbriefungen verwendet.
Datenschutz bremst Schufa aus
Für die neuen Pläne der Schufa könnten sich die bestehenden Datenschutzvorschriften als entscheidendes Hindernis erweisen. Diese schreiben nämlich vor, dass die Schufa erst dann aktiv werden darf, wenn sie zuvor vom Verkäufer beauftragt worden ist. Damit ist die Schufa bei der Beurteilung von Verbriefungen de facto vom Wohlwollen der Banken, die die Verbriefungen zusammenstellen, und Ratingagenturen abhängig. Denn sie können darüber entscheiden, ob sie der Schufa den Auftrag zur Analyse erteilen oder nicht.
Es scheint also noch längst nicht sicher, ob sich die Schufa auf dem neuen Terrain wird behaupten können.
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