Citigroup-Management ignorierte Warnungen vor der Krise
09.04.2010 - Citigroup-Management ignorierte Warnungen vor der KriseDie Citigroup gehört noch immer zu den größten Banken der USA. Das Bankhaus mit Sitz in New York wurde jedoch von der Finanzkrise hart getroffen. So musste die Citigroup über 100 Milliarden US-Dollar abschreiben. Der Grund dieses Verlustes lag insbesondere in dem Ausfall von Krediten. Die Citigroup konnte nur durch ein staatliches Rettungspaket in Höhe von 45 Milliarden US-Dollar vor einem Zusammenbruch bewahrt werden. Keine andere amerikanische Großbank musste auf derart hohe Staatshilfen zurückgreifen. Deshalb hält die amerikanische Regierung noch immer eine Beteiligung von 27 % an dem Bankunternehmen.
Handel mit mangelhaften Krediten
Nun mussten sich einige ehemalige Manager der Citigroup vor einem Untersuchungsausschuss in Washington unangenehmen Fragen stellen. Dabei wurden schwere Anschuldigungen laut. Einer der Manager gab an, dass im Vorfeld der Finanzkrise Warnungen ignoriert wurden. Der frühere Manager Richard Bowen gab zu Protokoll, er habe mehrmals warnende Emails an die Führung der Bank gesendet. In diesen Nachrichten wies er frühzeitig auf Missstände bei der Citigroup hin. So sollen bei der Kreditvergabe die hauseigenen Standards oftmals ignoriert worden sein. Seine Bedenken seien jedoch nicht beachtet worden.
Richard Bowen war seit dem Jahr 2006 Chefaufseher der Verbraucherkreditsparte. Nach eigenen Aussagen habe er bereits im Jahr 2006 bemerkt, dass rund 60 % der angekauften Kredite nicht den Standards entsprochen hätten, die das Bankhaus normalerweise für diese Produkte festgelegt hatte. Im Folgejahr sei der Anteil an mangelhaften Krediten sogar auf 80 % angewachsen. Die Citigroup kaufte damals Hypothekenkredite auf, die von anderen Kreditinstituten ausgegeben worden waren. Diese Kredite wurden daraufhin von der Citigroup an Investoren weiter veräußert. Zu den Käufern dieser Kredite gehörten insbesondere die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Ginnie Mae. Beide Unternehmen sind infolge der Finanzkrise ebenfalls fast zusammengebrochen.
Ehemaliger US-Finanzminister unter Beschuss
Zu der von Bowen kritisierten Führungsriege der Citigroup gehörten auch der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin und der langjährige Vorstand Charles Prince. Beide mussten ebenfalls vor dem Untersuchungsausschuss in Washington aussagen. Der ehemalige Finanzminister bedauerte zwar die massiven Verluste infolge der Krise, betonte aber auch gleichzeitig, dass er persönlich keine Schuld an dieser Entwicklung trage. Allerdings räumte er ein, gemeinsam mit seinen Kollegen den wirtschaftlichen Abwärtstrend nicht rechtzeitig erkannt zu haben.
Mit den Aussagen von Richard Bowen gibt erstmals ein ehemaliger Bankmanager zu, dass die eigene Bank die verheerende wirtschaftliche Entwicklung zu verantworten hat. Seine früheren Kollegen sehen die Ursache für die Krise dagegen auch weiterhin in unvorhersehbaren wirtschaftlichen Ereignissen.
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