Amerikanische Notenbank erhöht Diskontsatz
23.02.2010 - Amerikanische Notenbank erhöht DiskontsatzErstmals seit Einbruch der Finanzkrise hat die amerikanische Notenbank den Diskontsatz erhöht. Die amerikanische Notenbank hat ihren Diskontsatz überraschend von 0,5 % auf 0,75 % angehoben. Die Erhöhung des Diskontsatzes ist ein geldpolitisches Mittel. Der Diskontsatz ist der Zinssatz, zu dem eine Geschäftsbank Wechsel an die Notenbank verkaufen kann, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen. Als Folge der Erhöhung des Diskontsatzes, wird die kurzfristige Kapitalbeschaffung für die Geschäftsbanken teurer. Diese Verteuerung des Kapitals können die Geschäftsbanken dann an ihre Kunden weitergeben. Die Erhöhung des Diskontsatzes schlägt sich also über die Geschäftsbanken auf dem Finanzmarkt nieder. Wichtiger als der Diskontsatz für die Kreditkonditionen bei der Vergabe von Krediten an private Haushalte ist jedoch der Leitzins. Die amerikanische Notenbank hat in diesem Zusammenhang erklärt für den nächsten Zeitraum keine Erhöhung des Leitzinses zu planen.
Dennoch haben die Finanzmärkte die Erhöhung des Diskontsatzes als Zeichen für eine Straffung der Geldpolitik gewertet. Als Folge der geldpolitischen Maßnahme der amerikanischen Notenbank haben sich bereits deutliche Reaktionen an der amerikanischen Börse gezeigt. Die Kurse von Staatsanleihen und US-Futures fielen nach unten. Auf der Gegenseite wurde der US-Dollar durch diese Maßnahme deutlich gestärkt.
Die Erhöhung des Diskontsatzes durch die amerikanische Notenbank hat aber auch Auswirkungen auf den europäischen und den asiatischen Wirtschaftsraum gehabt. Der Euro lag nach der Entscheidung der Notenbank zeitweise auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf einen Tiefstand von 1,34 Dollar herab. Auch die Kurse am deutschen Aktienmarkt sind nach der überraschenden Senkung des Diskontsatzes gefallen. Als Folge sank der DAX um 0,9 Prozent auf 5629 Punkte. Die Börse von Tokio beendete den Tag nach der Bekanntgabe ebenfalls sehr schwach. Vor allem Banken- und Rohstoffwerte hatten unter deutlichen Verlusten zu leiden.
Die amerikanische Notenbank begründete die Erhöhung des Diskontsatzes mit der kontinuierlichen Erholung der Finanzmärkte nach der Finanzkrise. Die Notenbank hatte während der Finanzkrise gezielt Geld in den Finanzsektor gepumpt, um die Auswirkungen der Krise abzumildern. Viele Finanzexperten sehen in der Erhöhung des Diskontsatzes deshalb weniger ein Indiz für eine strengere Geldpolitik als vielmehr die Rückkehr zur Normalität. Denn die Notenbank schätzt die wirtschaftliche Situation mittlerweile wieder optimistischer ein, da sich der Abbau von Arbeitsplätzen verlangsamt hat und die Verbraucherausgaben wieder angestiegen sind. Zudem haben die Unternehmen ihre Investitionen in Betriebsmittel wieder erhöht. Die amerikanische Notenbank hat aber gleichzeitig auch klar gestellt, dass die Erholung der Finanzmärkte voraussichtlich nur langsam voranschreiten wird.
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