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Letzte Aktualisierung 02.02.2012
Dispokredit
Retter in der Finanznot?Immer wieder erleben Verbraucher in ihrem Leben Momente, in denen sie dringend und vor allem möglichst schnell und unbürokratisch auf ein Darlehen ihrer Bank angewiesen sind. Der schnellste Weg zur Befriedigung dieses Kapitalbedarfs ist seit inzwischen mehr als vier Jahrzehnten der Dispositionskredit, kurz Dispokredit. Ende der 1960er Jahre wurde der aus gutem Grund als Überziehungskredit bezeichnete Darlehensservice erstmals von einer Bank für ihre Kunden bereitgestellt. Der Dispokredit ist in seiner speziellen Form ein Privatkredit, bei dem Kontonutzer einen überschaubaren finanziellen Kreditrahmen von der Bank erhalten, bei dem die Kunden ohne eine vorliegende Zweckgebundenheit von einer vorab festgelegten Summe zusätzlich zu den regelmäßigen Geldeingängen Gebrauch machen können. diese freie Verfügbarkeit der Mittel unterscheidet den Dispokredit von vielen anderen Darlehensmodellen, die eigens für bestimmte Anschaffungen angeboten und letztlich vom Kreditnehmer auch zu diesem Zweck zu verwenden sind.
Festgelegt ist der jeweilige Verfügungsrahmen eines Dispokredits insofern, als dass die monatlichen oder allgemein regelmäßige Geldeingänge über die bewilligten Kreditsummen des Girokontos bestimmen, zu denen der Kreditrahmen gehört.
Fester Bestandteil moderner Girokonten
Eine Besonderheit des Überziehungskredites ist die Tatsache, dass der Kredit fast grundsätzlich zu allen Girokonten für volljährige Kunden dazu gehört. Vielfach werden die Rahmenbedingungen vonseiten der Anbieter auch kurzfristig an die Ansprüche der Kundschaft sowie deren finanzielle Möglichkeiten angepasst.
Dies bedeutet: Steigen das Einkommen eines Kunden deutlich, kann sich auch rasch der Dispo-Rahmen jederzeit verändern. Dies gilt zwangsläufig in beide Richtungen. So sorgt ein höheres Einkommen für einen steigenden Verfügungsrahmen, während sinkende Einkünfte – etwa infolge einer Arbeitslosigkeit – nicht nur zu einer Korrektur der möglichen Kreditsummen nach unten führen kann. durchaus üblich ist es durchaus, dass die Banken kurzfristig eine Kündigung des Dispokredits vornehmen, wenn die vorausgesetzten wirtschaftlichen Parameter von den Kontonutzern nicht mehr entsprechend erfüllt werden können.
Von dieser einfachen Kündigungsmöglichkeit können natürlich auch die Kunden profitieren, die nicht länger diesen Service ihrer Hausbank in Anspruch nehmen möchten. Der Hinweis, dass niemand gezwungen ist, seinen oder ihren Dispokredit auszuschöpfen, ist rein theoretisch berechtigt. Praktisch jedoch fällt es vielen Menschen im heutigen Konsumzeitalter oft schwer, die eigenen Ausgaben zu kontrollieren und nicht doch ausgiebig von den Überziehungskrediten Gebrauch zu machen. Wer um die eigene Anfälligkeit in finanziellen Angelegenheiten weiß, sollte sehr vorsichtig mit Angeboten wie dem Dispositionskredit umgehen und vielleicht tatsächlich das Extra zum Girokonto frühzeitig aufkündigen.
Für alle anderen gilt das Kreditangebot schon deshalb, weil es im Grunde frei von enormen Sicherheitsbestimmungen angeboten wird und jederzeit genutzt werden kann. einzig der Einblick in die Geldeingänge und andere Kontobewegungen bestimmt hier meist über die Höhe der verfügbaren Mittel und darüber, ob der Kreditrahmen überhaupt erhältlich ist. Jedoch lassen sich die Banken diesen Service vielfach ausgesprochen gut bezahlen. Im Sommer liegt der durchschnittliche Zinssatz im deutlich zweistelligen Bereich.
Hohe Kosten, flexibles Wirtschaften und Verantwortungsbewusstsein beim Kunden
Dies lässt erkennen, warum der Dispokredit zwar aufgrund seiner schnellen Verfügbarkeit ein guter Ansatz ist. In Sachen Flexibilität kann der Kredit anderen Angeboten fraglos etwas vormachen. Die Kosten betreffend jedoch sollten Kunden mit Geld-Bedarf eher auf Ratenkredit oder ähnliche Angebote zurückgreifen. Bei diesen Alternativen dauert es mitunter länger, bis die Banken grünes Licht erteilen. Dafür jedoch werden die Zinssätze in den allermeisten Fällen wesentlich tiefer angesiedelt als beim kostspieligen Dispokredit. Eine Gefahr für diejenigen, die wirtschaftlich schnell aus dem Ruder zu laufen drohen, ist häufig zu beobachtende Duldung der Banken, wenn die Kontoinhaber den Dispositionsrahmen noch zusätzlich überziehen. Dies kann vor allem dann vorkommen, wenn nicht regelmäßig der genaue Kontostand geprüft wird.
In solchen Situationen droht früher oder später der Moment, in dem die Bank den Geldhahn zudreht und unerwartet auf umgehende Rückzahlung des Dispokredites drängt. Während bei anderen Krediten klare Vorgaben für die Tilgung vorgegeben sind, sind die Girokonto-Nutzer hier zu selbstverantwortlichem Handeln aufgerufen. Jedenfalls so lange, bis die Bank die Initiative ergreift. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Zinsforderungen für den Fall einer solchen Duldung zur Überziehung des planmäßigen Dispokredites noch zusätzliche Zinskosten nach sich ziehen. Berechnet werden die Zinsen zum Dispokredit fast ausnahmslos auf Tagesbasis, die Abrechnung hingegen erfolgt immer quartalsweise per direkter Abbuchung vom Girokonto.
Zu berücksichtigen haben die Nutzer des Dispokredits ebenfalls, dass die geltenden Zinssätze keineswegs konstant oder fix wie bei anderen Darlehensvereinbarungen sind. Der Markt bestimmt die exakten Konditionen, woraus rasche Schwankungen entstehen können, durch die Zinskosten noch zusätzlich steigen können. Auch dies ein weiterer Grund, weshalb der Dispositionskredit im Idealfall nur kurzfristig genutzt werden sollte.
Die Dispo-Modalitäten werden über den deutschen Verbraucherdarlehensvertrag im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Als Kredit stellt der Dispo-Rahmen im Grunde ein Modell Kontokorrentkredits dar, bei dem keine zeitliche Befristung vorhanden ist. Durch diese gesetzliche Fixierung ist dafür gesorgt, dass der Dispokredit einzig die Zinsen als Kostenfaktor für die Verbraucher haben dürfen. Durch diese gesetzlich vorgeschrieben Rahmenbedingungen ist auch vorgeschrieben, welche Fakten Kontoinhaber von ihren Anbietern unbedingt erhalten müssen. Zudem regelt das Gesetz die Abrechnungszeiträume der Kreditzinsen; diese dürfen in Deutschland nicht kürzer als drei Monate ausfallen.
Angeben müssen die Banken bei der Vertragsvereinbarung für die Nutzung des Dispokredites nicht nur den aktuellen jährlichen Zins (mit Gültigkeit im Moment der Unterrichtung des Kunden) und die maximale Belastungssumme des Kreditrahmens sowie die Konditionen für Zinssatz-Korrekturen und Kündigungsmodalitäten.
Da der Dispokredit vonseiten der Bank grundsätzlich eingeräumt wird, werden Kontonutzer wahlweise postalisch auf die Existenz des Kreditrahmens hingewiesen oder es findet sich auf den Kontoauszügen ein entsprechender Hinweis auf die Möglichkeit der Kreditnutzung. Die Konditionen akzeptiert der Kunde oder die Kundin bereits durch den erstmaligen Gebrauch des Dispositionsrahmens, eine Zustimmung im erweiterten Sinne ist nicht vonnöten. Einfluss nehmen können die Kunden in zwei Formen. Einerseits können sie die Aufhebung der bereitgestellten Kreditmöglichkeit verlangen. Dies kann wie bereits erwähnt mitunter sinnvoll sein, wenn sich Bankkunden gar nicht in Versuchung führen möchten. Die zweite Einflussnahme liegt insofern vor, als dass die Kunden die Höhe des Kreditrahmens anpassen lassen können. So sind sukzessive Absenkungen des Kreditrahmens dann dienlich, wenn nach und nach Kreditschulden beglichen werden soll, ohne später wieder die Höchstsummen nutzen zu wollen.
Als mögliche Dispokredit-Summen werden allgemein von Banken in der Regel die Zahlungseingänge wie Einkommen, Rente, Unterhalt, Bafög oder andere Zahlungen zu Grunde gelegt. Als Höchstsätze für den Dispositionskredit werden meist Summen in doppelter bis dreifacher Höhe der monatlichen Eingänge angesetzt. Diese Kreditlinie kann auf Wunsch des Kunden im Normalfall aufgestockt werden, um weiteren kurzfristigen Bedarf zu decken.
Umschuldung zur Risikominderung
Wie bei allen Kreditmodellen sollten Verbraucher auch beim Dispokredit grundsätzlich Vorsicht walten lassen. Jede Form eines Darlehens birgt gewissermaßen das Risiko, sich in eine Schuldenspirale zu begeben. Daher sollte aufgrund der hohen Zinsforderungen gerade der Überziehungskredit nur dann genutzt werden, wenn absehbar ist, dass die geliehenen Summen innerhalb von maximal einigen Monaten zurückgezahlt werden können. Als Basis für langfristigen Finanzierungsbedarf sollte und kann der Dispokredit schlicht nicht herhalten. Bei gänzlich ausgeschöpften Dispositionskrediten sollten Verbraucher vielmehr die Kosten senken, indem sie sich mit dem Gedanken an eine Umschuldung über einen günstigen Ratenkredit oder vergleichbare Modelle befassen.
Ohnehin ist der Dispo nur bedingt ein Geschenk der Banken an die Kunden. Denn auch hier ist eine positive Schufa-Anfrage Dreh- und Angelpunkt. Dafür verzichtet man auf Bankenseite bei dieser Art eines Blankokredites auf umfangreiche Sicherheiten. So wird der Dispokredit im Ernstfall zu einem guten Ansatz für die Überbrückung überschaubarer Engpässe, weil der sonst oft mühsame Entscheidungsprozess mitsamt Beratungsgesprächen bei der Bank umgangen wird. Schon der Kosten wegen sollte die Kreditsumme aber zügig zurückgezahlt und das Konto wieder in die Guthabenzone bugsiert werden.



